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18.07.2022 16:48 Kategorie: Aktuelle Mitteilungen, Kleintierpraxis, Startseite NEU, Tierseuchen, Tierärztliche Praxis

StMUV: Überwachungsprogramm - Mycobacterium-tuberculosis-Komplex (MTBC) bei Ziegen

Tiergesundheitsrecht - Animal Health Law (AHL) - Mindestanforderungen an ein Überwachungsprogramm in Bezug auf Infektionen mit dem Mycobacterium-tuberculosis-Komplex (MTBC) bei Ziegen

Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) informiert zur Dokumentation der MTBC-Untersuchung bei Ziegen:

 

+++ StMUV 04.07.2022 +++

Im Rahmen einer Bund-Länder-Telefonkonferenz im Juni 2022 wurde das weitere Vorgehen hinsichtlich der erforderlichen Überwachung von Ziegen auf eine Infektion mit MTBC im Zusammenhang mit Verbringungen der betreffenden Tiere innerhalb der Union beraten.

 

Um nach den erforderlichen 24 Monaten auf die Untersuchung gemäß Anhang II Teil 1 Nummer 1 d) der DelVO (EU) 2020/688 verzichten zu können, wurde das FLI gebeten, eine Risikobewertung auf der Grundlage von TSN-Meldungen und von Daten, die seitens der Länder zur Verfügung gestellt werden können (Schlachttieruntersuchungen, Tuberkulinisierungen 2018 bis 2022) zu erstellen. Hierfür ist es notwendig, dass die jeweils zuständige Kreisverwaltungsbehörde über die Untersuchungsergebnisse der durchgeführten Tuberkulinisierungen informiert wird.

 

Die Ergebnisse der durchgeführten Tuberkulinisierungen sollen an die für den jeweiligen Betrieb zuständige Kreisverwaltungsbehörde übermittelt werden.

 

StMUV-Musterdatei zur Dokumentation: Dokumentation MTBC-Untersuchungen bei Ziegen.xlsx

Datenschutzhinweis des StMUV:

Die Auswertung der Daten erfolgt aus Gründen des Datenschutzes auf Bundeslandebene und nicht auf PLZ- oder Landkreisebene, um eine Zuordnung zu einzelnen Betrieben ggf. ausschließen zu können.

 

+++ StMUV 10.06.2022 +++

Mit Anwendungsbeginn des AHL am 21.04.2021 dürfen Unternehmer gehaltene Ziegen nach den Vorgaben der Delegierten Verordnung (EU) 2020/688 nur dann innergemeinschaftlich Verbringen, wenn in dem Herkunftsbetrieb zumindest während der  letzten 12 Monate vor dem Abgang der Tiere ein entsprechendes Überwachungsprogramm zum Nachweis einer Infektion mit MTBC im Sinne des Anhangs II Teil 1 der 
genannten Verordnung durchgeführt wird. 

 

Das Überwachungsprogramm muss folgende Mindestanforderungen umfassen: 

  1. eine Fleischuntersuchung aller geschlachteten Ziegen aus dem Betrieb, 
  2. eine Nekropsieuntersuchung der Falltiere unter den Ziegen, die älter als 9 Monate sind, 
  3. einen jährlichen Tiergesundheitsbesuch durch einen Tierarzt und 
  4. eine jährliche Untersuchung auf MTBC mit Negativbefund aller Ziegen, die zu Zuchtzwecken gehalten werden

 

Um in Bayern im Sinne der Rechtssicherheit ein einheitliches Vorgehen sicherstellen zu können, teilt das StMUV zu den vorgenannten Anforderungen Nachfolgendes mit: 

 

  • Fleischuntersuchung 

Diese Anforderung wird im Rahmen der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung  bereits jetzt erfüllt. 

 

  • Nekropsieuntersuchung

Unternehmer, die Ziegen innergemeinschaftlich verbringen wollen und somit das Überwachungsprogram zum Nachweis einer Infektion mit MTBC in ihrem Betrieb etablieren müssen, haben Nekropsieuntersuchungen an den Falltieren ab dem 20.06.2022 verpflichtend durchführen zu lassen. 

Diese können nur dann entfallen, wenn sie aus logistischen Gründen – z. B. bei gealpten  Tieren – nicht möglich oder aus wissenschaftlichen Gründen nicht erforderlich sind. Der grundsätzliche Verzicht aus wissenschaftlichen Gründen wird vom nationalen Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut sowie dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit derzeit nicht empfohlen. In begründeten Einzelfällen kann jedoch auf die Durchführung einer Nekropsieuntersuchung verzichtet werden, wenn die Todesursache des Tieres eindeutig anderweitig tierärztlich feststellbar ist oder wenn aufgrund des Allgemeinzustandes der Tiere vor dem Tod eine Infektion mit MTBC als unwahrscheinlich anzusehen ist und hierüber tierärztliche Nachweise vorliegen. 

Für den Zeitraum vor dem 20.06.2022 gilt, dass auf die grundsätzlich notwendige Durchführung der Nekropsieuntersuchung innerhalb der letzten 12 Monate verzichtet werden kann, wenn alle Ziegen, die zu Zuchtzwecken gehalten werden, im Rahmen der erstmalig  durchzuführenden jährlichen Untersuchung mit Negativbefund auf MTBC getestet werden. 

Die Nekropsieuntersuchungen können nach Voranmeldung an den Standorten das Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen und Oberschleißheim, am Standort Grub des Tiergesundheitsdienst Bayern e.V. (TGD) sowie – in  Absprache mit den jeweils zuständigen Kreisverwaltungsbehörden – an Verarbeitungsbetrieben für tierische Nebenprodukte in Bayern durchgeführt werden. Die entsprechenden  Befunde sind vom Unternehmer zu Kontrollzwecken aufzubewahren. 

 

  • Jährlicher Tiergesundheitsbesuch 

Der jährliche Tiergesundheitsbesuch kann von jedem niedergelassenen Tierarzt/jeder niedergelassenen Tierärztin durchgeführt werden und ist entsprechend in den zu führenden betriebseigenen Aufzeichnungen zu dokumentieren. Die Unterlagen sind vom Unternehmer zu Kontrollzwecken aufzubewahren. Der jährliche Tiergesundheitsbesuch kann gemeinsam mit anderen Überprüfungen, z.B. der jährlichen Überwachung im Rahmen des Verfahrens zur Anerkennung von Haltungsbetrieben für Ziegen als Betrieb mit kontrolliertem / vernachlässigbarem Risiko klassischer Scrapie erfolgen. 

 

  • Jährliche Untersuchung 

Die jährliche MTBC-Untersuchung aller Ziegen, die zu Zuchtzwecken (weibliche Ziegen ab der ersten Lammung; männliche Ziegen zum Deckeinsatz) gehalten werden, ist mit Einstieg in das Überwachungsprogramm durchzuführen. Die Durchführung der intrakutanen Tuberkulinprobe kann mittels Mono-Test (SITT) erfolgen. Die Untersuchung ist entsprechend zu dokumentieren. Hierfür kann das Muster (xlsx-Datei) verwendet  werden. Die Unterlagen sind vom Unternehmer zu Kontrollzwecken aufzubewahren. 

Die vom Normgeber grundsätzlich eingeräumte Möglichkeit des Verzichts auf diese regelmäßige Untersuchung kann von Deutschland derzeit noch nicht genutzt werden.  

 

Alle im Zusammenhang mit dem Überwachungsprogramm anfallenden Kosten sind vom Unternehmer zu tragen. Die Unterlagen sind vom Unternehmer zumindest für 3 Jahre aufzubewahren. 

Unternehmer, die das oben beschriebene Überwachungsprogramm durchführen, dürfen grundsätzlich Ziegen aus Betrieben einstallen, die ebenfalls das Überwachungsprogramm etabliert haben. Sofern Ziegen aus Betrieben, die kein Überwachungsprogramm durchführen, eingestallt werden sollen, müssen diese in jedem Fall vor Einstallung mit Negativbefund auf MTBC untersucht worden sein. 

Unternehmer, die die oben genannten Voraussetzungen eines Überwachungsprogramms in  Bezug auf eine Infektion mit MTBC bei Ziegen, sowie die weiteren Anforderungen an innergemeinschaftliche Verbringungen von gehaltenen Ziegen erfüllen, können ihre Tiere bereits jetzt in andere Mitgliedsstaaten verbringen. Die entsprechende Anforderung in der TRACES- Bescheinigung (2021/403) MUSTER OV/CAP-INTRA-X kann nach den oben dargestellten Grundsätzen zertifiziert werden.