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23.07.2020 13:04 Kategorie: Newsletter, Nutztierpraxis

Newsletter 23.07.2020: Merkblatt für Tierärzte und Tierärztinnen zur Anleitung der Praxisphase nach der Ferkelbetäubungssachkundeverordnung (FerkBetSachkV) (Kopie 1)

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen

die Verordnung zur Durchführung der Betäubung mit Isofluran bei der Ferkelkastration durch sachkundige Personen (FerkBetSachkV) ist am 17.01.2020 in Kraft getreten.

Sie regelt die Voraussetzungen für die Ausnahme vom Tierarztvorbehalt für die Betäubung von unter acht Tage alten männlichen Ferkeln zum Zwecke der Kastration mittels Isofluran. Insbesondere werden die Voraussetzungen für den Erwerb des erforderlichen Sachkundenachweises für Nicht-Tierärzte geregelt.

Die Bayerische Landestierärztekammer hat bereits in der „Münchner Erklärung“ von August 2016 auf die Probleme der Isofluran-Narkose hingewiesen.

Dass nun mit der FerkBetSachkV die Ausnahme vom Tierarztvorbehalt für die Betäubung durchgesetzt wurde, ist trotz vieler Interventionen damit leider Fakt und gesetzliche Grundlage.

Wir haben uns mit der Frage, ob eine Verweigerungshaltung der Tierärzteschaft im Sinne des Tierschutzes, aber auch zur Rechtsicherheit der Schweinepraktiker zielführend ist, intensiv auseinandergesetzt.

Nachdem auch die Tierschutzreferenten der Länder die Vollzugshinweise zur Umsetzung der FerkBetSachkV abgestimmt haben, erachten wir es zur Vermeidung weiterer tierschutzrelevanter Probleme für fachlich angezeigt, dass fachkompetente Tierärztinnen und Tierärzte bei theoretischen Schulungen, praktischen Anleitungsphasen, wie auch als Prüfer federführend mitwirken.

Das StMUV hat mit Schreiben vom 17.07.2020 die BLTK und den Landesverband Bayern im bpt über die obligatorische Praxisphase informiert.

Das als Anlage beigefügte Merkblatt für Tierärzte und Tierärztinnen zur Anleitung der Praxisphase nach FerkBetSachkV beschreibt die Voraussetzungen und Anforderungen an die Praxisphase.

Entgegen dem Merkblatt erachten wir es für fachlich zwingend erforderlich, dass die Praxisphase im eigenen Betrieb des zu prüfenden Landwirtes, d.h. unter den vor Ort-Gegebenheiten und unter der ständigen Aufsicht und Anleitung von dem/der bestandsbetreuenden Tierarzt/Tierärztin erfolgt, der/die auch arzneimittelrechtlich für die Anwendung von Isofluran verantwortlich ist.

Die Dauer und der Umfang der Praxisphase sind rechtlich nicht vorgeschrieben.

Der/Die anleitende Tierarzt/Tierärztin hat mit der Bescheinigung dem Landwirt die Absolvierung der Praxisphase zu bestätigen, dass dieser für die praktische Prüfung zugelassen werden kann. Anleitende bestandsbetreuende Tierärzte und Tierärztinnen haben daher einen großen Einfluss auf die Minimierung tierschutzrelevanter Probleme, da es dem begleitenden Tierarzt obliegt zu beurteilen, ob der Anwärter das Ziel der Praxisphase, den Erwerb der praktischen Fähigkeiten zur selbständigen Durchführung der Narkose und der damit verbundenen Tätigkeiten, erreicht hat.

Neben den Regularien zum Erhalt der Sachkunde, der Betäubung, der Prüfung der Narkosetiefe, müssen die Orte, an denen die sachkundige Person die Betäubung durchführt, trocken, sauber, gut belüftet und leicht zu reinigen sein.

Die Durchführung der Kastration hat zudem unter hygienischen Bedingungen, mit einer geeigneten chirurgischen Methode und mit geeigneten Instrumenten zu erfolgen, insbesondere darf die Kastration nicht durch Herausreißen der Hoden durchgeführt werden.

Ebenso müssen Notfallpläne für Notsituationen am Ferkel, insbesondere Narkosezwischenfälle, hinterlegt sein und die Anzahl der Anwendungen und das Datum der jeweiligen Anwendung von Isofluran manipulationssicher aufzeichnet werden.

Anlagen:

 

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Bayerische Landestierärztekammer