Bayerische Landestierärztekammer - Bavariastr. 7 a - 80336 München

 

 

 

Gemeinschaftsprojekt

Bayerische Landestierärztekammer

Arbeitskreis "Hundeführerschein"

Institut für Tierschutz, Verhaltenskunde und Tierhygiene der 

Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München

 

Hundeführerschein –

Grundwissen Gefahrenvermeidung im Umgang mit Hunden

 

Kurs von Tierärztinnen und Tierärzten für Hundehalter

 

 

Die aufrüttelnden Pressemeldungen über einzelne Hunde, die Menschen schwer ver­letzten bzw. töteten, haben nicht nur zu größerem Verantwortungsbewusstsein bei erfreulich vielen Hunde­haltern geführt, sondern auch zur Verschärfung von Rechts­vorschriften.

 

Die Tierärzte sind der Meinung, dass an der Rasse festmachende Regelungen das Problem nicht lösen. Deshalb versuchen speziell fort- und weiter­gebildete Tierärzte und Tierärztinnen, dass möglichst viele Hundehalter auf freiwilli­ger Basis lernen, wie sie ihren Hund unter Kontrolle bringen – sei es nun ein Chihuahua, ein Dalmatiner oder ein Dobermann. Denn jeder Hund kann beißen, und eine große Zahl an Bissverletzungen fügen Hunde ihrer eigenen Familie zu. Nicht weil diese Hunde böse sind, sondern weil wir Menschen eklatante Fehler im Umgang mit Hunden machen.

 

Um Gefahren für uns und andere zu vermeiden, brauchen wir fundiertes Wissen:

Wissen über das normale Hundeverhalten, Wissen über die Situationen, in denen ein Hund gefährlich werden kann, Wissen über typische Missverständnisse zwischen Mensch und Hund - und nicht zuletzt Wissen darüber, wie man seinen Hund richtig erzieht.

 

Deshalb bieten Tierärzte in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landestierärzte­kammer und dem Institut für Tierschutz, Verhaltenskunde und Tierhygiene der Ludwig-Maximilians-Universität München den Kurs „Hundeführerschein – Grundwissen Gefahrenvermeidung im Umgang mit Hunden“ an, der das nötige Grundwissen über Erziehung und Verhalten von Hunden vermittelt, um gefähr­liche Situationen möglichst zu vermeiden.

 

Diese Kurse gibt es auch in anderen Bundesländern (z.B. in  Schleswig-Holstein) und im Ausland (z.B. Luxemburg)

 

 

 

 

   

Fragen zum Kurs „Hundeführerschein –

Grundwissen Gefahrenvermeidung im Umgang mit Hunden“

 

Wird der „Hundeführerschein“ in Bayern von den Behörden verlangt?

In Bayern muss man für die Haltung eines Hundes keinen „Hundeführerschein“ und keinen „Sachkunde­nachweis“ erbringen. Allerdings wird die Sachkunde von Haltern potenziell gefährlicher Hunde üblicher­weise bei der Begutachtung dieser Tiere beurteilt. Der Gutachter beobachtet, ob der Halter seinen Hund unter Kontrolle hat und ob er möglicherweise gefährliche Situationen richtig einschätzen kann. Es gibt keine Bestimmungen in Bayern, welches Wissen und welche Kenntnisse für eine Sachkunde notwendig sind.

Alle angebotenen  „Hundeführerscheine“ – egal ob von Tierärzten, Hundeverbänden oder Hundeschu­len usw. – sind deshalb freiwillig und es ist nicht möglich, einen amtlichen „Hundeführerschein“ oder einen „Sachkundenachweis“ auszustellen.

Das zuständige Bayer. Staatsministerium hat bereits im Jahr 2002 den Besuch des Kurses "Hundeführerschein-Grundwissen Gefahrenvermeidung im Umgang mit Hunden" empfohlen. Das Kreisverwaltungsreferat der Stadt München empfiehlt Hundehaltern die Kursteilnahme bei Mängeln in der Sachkunde. Über die erfolgreiche Teilnahme erhalten Sie eine Bescheinigung der Bayerischen Landestierärztekammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts.

In verschiedenen anderen Bundesländern müssen die Halter von Hunden bestimmter Größe oder Rasse eine Sachkunde-Prüfung ablegen. In Schleswig-Holstein und Berlin ist dies z.B. durch die Teilnahme an diesem "Hundeführerschein"-Kurs möglich, wobei in Berlin noch eine praktische Prüfung nach Vorgaben des Senats folgt. Es wurde schon mehrmals beraten, ob die Bestimmungen in Deutschland vereinheitlicht werden sollen, aber es ist davon auszugehen, dass dies in absehbarer Zeit nicht geschehen wird. 

 

Wer hält den Kurs ab?

Der Kurs darf nur von speziell fortgebildeten Tierärztinnen und Tierärzten abgehalten werden.

 

Muss ich meinen Hund zum Kurs „Hundeführerschein“ mitbringen?

Nein, denn Sie werden an Hand von Folien, Arbeitsblättern, einem Begleitbuch und Videos geschult. Sie sind dann in der Lage, die praktische Umsetzung mit Ihrem Hund einzuüben.

 

Ich möchte mir demnächst einen Hund zulegen. Ist der Besuch des Kurses für mich sinnvoll?

Gerade dann sollten Sie den „ Hundeführerschein“ machen. Sie erhalten das Rüstzeug, mit Ihrem zukünfti­gen Hund richtig umzugehen und Gefahrensituationen zu vermeiden.

 

Woher stammt das Kursmaterial?

Das Kursmaterial wurde von Fachtierärztinnen für Verhaltenskunde und Tierärztinnen für Verhaltensthera­pie vom Institut für Tierschutz, Verhaltenskunde und Tierhygiene der Universität München und dem Arbeitskreis „Hundeführerschein“ in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landestierärztekammer entwickelt.

 

Wodurch unterscheiden sich verschiedene „Hundeführerschein“-Kurse?

„Hundeführerscheine“ gibt es z.B. auch vom VDH und BHV. Diese „Hundeführerscheine“ legen den Schwerpunkt auf den praktischen Teil (Führen eines Hundes in der Öffentlichkeit) und bei der Theorie geht es auch um die Bereiche Gesundheit und Ernährung.

Der Kurs „Hundeführerschein – Grundwissen Gefahrenvermeidung im Umgang mit Hunden“ soll vor allem dem Vorbeu­gen, Erkennen und Abwenden von Gefahren dienen – nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch im häus­lichen Alltag und in der Familie, denn hier ereignen sich ein Großteil aller Hundebisse. Weitere Informationen und Beispiele hierzu finden Sie auf der Homepage des Instituts für Tierschutz, Verhaltenskunde und Tierhygiene der Universität München. 

Der Kurs verzichtet auf Themen wie Ernährung oder Gesundheit. Dieser „Hundeführerschein“ ist zwar als theoretischer Kurs entworfen, um auch Hundehalter anzusprechen, die nicht auf den Hundeplatz gehen möchten, aber er enthält auch viele praktische Beispiele sowie praktische Elemente zur besseren Umsetzung des Gelernten im Alltag.

 

Lerne ich dasselbe wie in einer Hundeschule?

Der „Hundeführerschein“ stellt eine gleichwertige Ergänzung zur praktischen Ausbildung in der Hunde­schule dar, denn er vermittelt Ihnen umfangreiches Wissen über das Verhalten und die Erziehung des Hundes. Mit diesem Wissen wird es Ihnen leichter fallen, zu festigen, was Sie in der Hundeschule gelernt haben.   

 

Hilft mir dieser Führerschein im Alltag?

Die Teilnehmer einer Studie über den Nutzen dieses "Hundeführerscheins" bewerteten die Anwendbarkeit des Gelernten im Alltag mit der Note 1,3. Dem Kurs gaben die Teilnehmer die Note 1,2. Das Wissen über Hunde und ihr Verhalten verbesserte sich durch den Kurs auf die auf die Note 1,2. Viele ebenso positive Erfahrungen gibt es aus den bisher 400 Kursen außerhalb dieser Studie.

 

Schließt der „Hundeführerschein“ mit einer Prüfung ab?

Ja, am Ende des Kurses können Sie eine Prüfung ablegen. Dabei werden Ihnen schriftlich auf Prüfungsbögen Fragen zum Kursinhalt gestellt. Ähnlich wie bei der theoretischen Prüfung in der Fahrschule wählen Sie die richtige(n) Antwort(en) unter mehreren vorgegebenen Lösungen aus. Wenn Sie an allen Kurstagen teilge­nommen haben, ist die Prüfung für Sie kein Problem.

 

Wie lange dauert der Kurs „Hundeführerschein“ ?

Der Kurs dauert mindestens12 Stunden.

 

Buch - Kann ich das Begleitbuch auch ohne Teilnahme an einem Kurs erwerben?

Sie können das Begleitbuch zum Kurs auch ohne Teilnahme an einem Kurs erwerben - fragen Sie Ihren Tierarzt oder wenden Sie sich an eine Buchhandlung. Das Buch ist im Jahr 2007 in der 2. Auflage unter dem Titel "Der tut nix!" erschienen (H. Jung, D. Döring, F. Falbesaner: "Der tut nix!", Ulmer Verlag, Preis 9.90 €)

 

 

 

 

letzte Aktualisierung 26.06.2008